Oft wird Natural Horsemanship (abgekürzt NHS) belächelt und die, die sich damit auseinander setzen als „Seilchenschwinger“ bezeichnet. Oder sie werden sofort den Westernreitern zugeordnet. Auch ich habe früher so ähnlich gedacht, wollte vielleicht ein paar Zirkuslektionen meinem Pferd beibringen, aber mehr auch nicht. Ich reite ja schließlich englisch!

Nun kurz zu mir, mein Name ist Anja Rudolf, geb. 1986 und ich habe mir mit 18Jahren den Traum vom eigenen Pferd erfüllt. Ebony heißt die damals
7-jährige Trakehner-Mix Stute, in die ich mich verliebt hatte. Leider war das anscheinend eine einseitige Liebe.

 

Und so galt sie als gefährlich und unreitbar! Ein sogenanntes Problempferd durfte ich nun mein Eigen nennen…
Denn sie ließ sich nicht wirklich reiten, egal ob mit Dressur-, Westernsattel oder ohne Sattel. Sie fand alles blöd! Kurz vorm Verkauf machte ich einen Bodenarbeitskurs, weil sie auch vom Boden ziemlich unerzogen war und die Leute als ihren persönlichen Kegel sah, wobei sie die Bowlingkugel war…
Dann merkte ich, dass dies doch mehr ist wie nur ein bisschen Beschäftigung fürs Pferd, wenn man gerade nicht reitet. Ich blieb dabei und lernte mit meinem Pferd vieles über Bodenarbeit, Freiarbeit, Zirkuslektionen usw., vor allem aber auch viel über Körpersprache.
Meine Stute war immer schwierig und hat eine starke Persönlichkeit, auch heute noch. Aber umso mehr Freiheiten ich ihr gab und den Zwang lockerte, z.B. durch die Freiarbeit, desto besser fanden wir zusammen. Das war ein langer Prozess, aber ich kann es nur jedem empfehlen über den Tellerrand hinauszuschauen. Es lohnt sich!
Und was daraus werden kann:
Heute machen wir Vorstellungen zum Thema Freiarbeit, sind bei großen Veranstaltungen wie die Equitana oder der Cavallo Academy und haben von der Zeitschrift Cavallo den Titel „Kumpelpferd 2014“ bekommen, als wir den Cavallo Cup gewonnen haben.

 

Schon heute ist das Thema NHS und die Bodenarbeit bekannter, durch Auftritte von Frédéric Pignon, Honza Blaha, Monty Roberts usw. Ich habe das Gefühl es gibt eine Aufbruchsstimmung und viele sehen inzwischen die Bodenarbeit mit zur Grundausbildung, wie z.B. bei Uta Gräf.
Freuen würde es mich, wenn dies so bleibt und sich etabliert. Es ist einfach ein tolles Gefühl, ein Pferd nur mit einem Finger aber ohne Zwang dirigieren zu können! Probiert es doch einfach mal aus!
Hier noch ein kleines Video über unsere Zusammenarbeit:

 

 

 

 

 

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